Fremdwörter in der Zeitung

 
Sigrid Oehrling, Tel. 0531 – 77802, Boeselagerstr. 17. 
Jeden 2. und 4. Freitag im Monat 10:00 Uhr.

 

Mitglieder des KOllEG 88 lesen oft interessante Zeitungsartikel, die Fremdwörter enthalten. In der Diskussion stellen sie zunächst fest, was damit eigentlich gesagt werden wollte. Danach nehmen sie sich die „fremden Wörter“ einzeln vor und ermitteln ihren Ursprung, ihre Bedeutung und die richtige Verwendung. Für diese Quellenforschung benutzen sie Wörterbücher, Lexika, Duden und andere Fachbücher. Bei diesen Betrachtungen stellt man oft fest, dass sich die Bedeutung der Wörter im Laufe der Zeit stark verändern kann.

Dieser Arbeitskreis wurde mit der Gründung des KOllEG 88 ins Leben gerufen für diejenigen, die wissen wollen, woher viele Wörter der deutschen Sprache kommen und welche Bedeutung sie haben. Wenn wir den Namen „Etymologie“ hören, was fällt uns dazu spontan ein? „Erforschung der Herkunft der Wörter“, entlehnt aus lat. etymologia, dieses aus gr. etymologia, eigentlich Lehre vom Wahren, zu gr. etymos: wahr, wirklich.

Viele Wörter, von denen wir es gar nicht vermuten, weil wir sie täglich lesen oder hö-ren, kommen aus dem Lateinischen oder Griechischen, aber auch aus anderen Sprachen. Hebräisch, Englisch, Französisch oder Arabisch sind weitere Ursprungsformen. Eine kleine Auswahl soll hier zum Nachdenken, Überrascht sein oder zum baldigen Mitmachen in unserem kleinen Arbeitskreis anregen.

  • Gouvernante (18.Jh.): Erzieherin, frz. gouvernante, lat. gubernare.
  • Klima (16.Jh.): witterungsbestimmter Faktor, splat. clima, gr. klima u. klinein.
  • Praxis (17.Jh.): Verfahren, Beschäftigung, lat. praxis, gr. praxis u. prassein
  • Alkohol (16.Jh.): reiner Weingeist, span. alcohol, arab. Al-Kuhl.
  • Regel (9.Jh.): Maßstab, Richtschnur, ahd. regula, regile, lat. regula u. regere.
  • Debatte (17.Jh.): Diskussion, Auseinanders. frz. debat, debattre, lat. battuerre.
  • Dilemma (16.Jh.): Zwangslage, lat. dilemma, gr. dilemma u. lemma.
  • Obelisk (16.Jh.): rechteckige Säule, lat. obeliskus, gr. obeliskos u. obelos.
  • Pharmazie (15.Jh.): Lehre von den Arzneimitteln, gr. pharmakia u. pharma-kon.
  • Rheuma (18.Jh.): Krankheit, Leiden, gr. rheumatismos u. rheumatizein.
  • Theologie (16.Jh.): mit göttlichen Dingen vertraut, gr. theologia u. theologos.

Betrachten wir eine Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt, so nennen wir das syn-chronisch; untersuchen wir sie historisch, ist die Betrachtungsweise diachronisch. Die verschiedenen menschlichen Sprachen bezeichnen wir als Natursprachen, wenn wir den Gegensatz zu Kunstsprachen, Tiersprachen, Kalkülsprachen usw. hervorheben wollen.

Übrigens, unsere heutige Sprache bezeichnen wir seit ca. 1600 als Neuhochdeutsch, davor, etwa 1350-1600, als Frühhochdeutsch (dazu gehört z.B. die Sprache Martin Luthers). Noch früher, 1100-1350, als Mittelhochdeutsch, und unsere früheste be-zeugte Sprachform nennen wir Althochdeutsch, vom 8. Jh. bis ca. 1100. Das Element – hoch - kennzeichnet dabei den Gegensatz zu Niederdeutsch, das zwar auch deutsch ist, aber z.B. nicht die Lautverschiebung mitgemacht hat.

Und deshalb: Nullum est iam dictum, quod non sit dictum prius. Es gibt kein Wort mehr, das nicht schon früher gesagt wurde. Kurz und gut - es gibt nicht viel Neues unter dieser Sonne. Unter dieser Weisheit leiden gleichermaßen Dichter und Denker, Politiker und Plauderer, Lehrer und Lernende. Nur unser Arbeitskreis vom KOllEG 88 nicht.

Einige Artikel die wir bearbeitet haben: „Der zarte Klang von Frischkäse“, „Sind Federn nur zum Fliegen da?“, „Götter in Nadelstreifen“, „Mit jedem neuen Computer wächst die Wissenskluft“, „Wir Dilettanten“, „Euroland sucht nach Sündenböcken“. Schon Flaccus schimpfte: „Quis leget haec?“ Wer soll das Zeug lesen?

Und zum Schluss noch: Non scholae, set vitae discimus. Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.



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